Extra-Zahlungen auf den Kredit senken die Restschuld — aber ist das die beste Verwendung freien Kapitals? Die Antwort hängt vom Zinssatz ab.
Wer monatlich freies Kapital hat, steht regelmäßig vor der Frage: Soll ich Sondertilgungen leisten — oder das Geld investieren? Die intuitive Antwort "Schulden abbauen ist immer gut" ist finanzwirtschaftlich zu simpel.
Die mathematisch korrekte Antwort hängt vom Zinssatz des Kredits ab. Bei 4 % Kreditzinsen entspricht eine Sondertilgung einer risikolosen 4 %-Rendite — denn jeder getilgte Euro spart garantiert 4 % Zinsen pro Jahr. Das ist besser als ein Tagesgeldkonto, aber schlechter als ein Aktien-ETF mit historisch 6–8 % Rendite — der allerdings Schwankungen hat.
Bei Kreditzinsen unter 2 % — wie es bis 2022 gang und gäbe war — war die Rechnung klar: Wer tilgt, verzichtet auf Rendite. Wer in einen Weltindex investiert, lag historisch fast immer vorne. Bei Zinsen über 4 % kippt die Gleichung: Der garantierte Zinsersparnis-Effekt der Tilgung wird attraktiver.
Was oft vergessen wird: Sondertilgungen reduzieren das Risiko. Wer bei Job- oder Einkommensverlust eine niedrige Restschuld hat, schläft anders. Dieser Wert lässt sich nicht berechnen — er ist aber real.
Die pragmatische Lösung: Sondertilgungen leisten bis zu einem komfortablen Eigenkapitalanteil (z. B. 40 % des Immobilienwerts), danach freieres Kapital in diversifizierte Investments fließen lassen. Nicht entweder/oder — sondern ein durchdachtes Verhältnis.
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